Guerrilleros bedeutet soviel wie „kleine Krieger“ und steht für uns für das Ermöglichen von spontanen soziokulturellen Praktiken im öffentlichen Raum, Testen und Verschieben von Grenzen.

Das Kollektiv Gehsteig-Guerrilleros agiert als experimenteller Vertreter einer offenen und kritischen Ausdrucksform innerhalb einer nach wie vor technokratischen, starren, zielgerichteten und vorwiegend von oben gesteuerten Stadtplanung. Für uns entsteht Stadt erst mit den gelebten Bedürfnissen ihrer Bewohner und Bewohnerinnen, wir beziehen uns auf Möglichkeitsräume, die es bereits im Stadtraum gibt, die jedoch aufgrund tradierter urbaner Bewertungskriterien, Normen und gesellschaftlichen Konventionen übersehen, und damit als attraktive Freiräume bedeutungslos werden. Als ein solcher Möglichkeitsraum erschien uns der alltäglich passierte graue Gehsteig vor unserem Gassenlokal, dessen wörtliche Besetzung mit dem Aufstellen von Stühlen und Tischen zu einem Umdenken animierte; einem Andersdenken innerhalb des daraufhin gegründeten Kollektivs der Gehsteig-Guerrilleros ebenso wie innerhalb der breiten Öffentlichkeit, welches beispielhaft ein Bewusstsein für mehr Möglichkeiten der Nutzung des öffentlichen Raums eröffnet. Die Attraktivierung des Gehsteigs richtet sich gegen einen monofunktionalen Mobilitätsraum und zielt auf einen mehrfach-genutzten Freiraum ab. Auch für alle weiteren Aktionen der Guerrilleros abseits des Gehsteigs wurden Brachen aufgesucht, versteckte und andere Orte thematisiert. Die Interventionen basieren stets auf Interaktion mit Interessierten, verändern meist nur flüchtig den gewohnten baulichen Kontext der Stadt, überraschen durch das Eröffnen neuer Blickwinkel und regen auch vorerst distanzierte Zuschauende zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung an. Es geht um das Erzeugen von Situationen, die dazu auffordern, sich mit der eigenen Verantwortung in seiner städtischen Umgebung zu positionieren.